Ich höre immer wieder erstaunte Fragen darüber, warum wir denn soviel Technik mit uns mitschleppen (Ausnahme: Wohnzimmerkonzerte), wir wären doch nur zu dritt und überhaupt, diese und jene Band spiele doch auch ohne irgendetwas.

Die Kurzantwort ist ganz einfach: weil wir auch Spaß haben wollen an dem, was wir spielen. Wir wollen genau wie Ihr hören, was wir spielen.

'Ja, tut Ihr das denn nicht?'

Nein, eben nicht, und jetzt geht es in die technischen Details: der Sound der Stimmen, von Gitarre, Keyboard und Bass kommen aus den Lautsprechern, die rechts und links auf der Bühne stehen, aber vor uns.

Jannes, hinten an seinen Trommeln, hört gar nichts mehr von dem, was Nick und ich musizeren und Nick und ich haben 'Jannes im Nacken'.

Ein entspanntes aufeinander Hören ist so nicht möglich. Aber genau das beides: 'entspannt' und 'aufeinander' ist für uns auch Voraussetzung für miteinander Musik machen.

oberes Rack: Live / mittleres Rack: Verstärker für die großen Bühnen / unteres Rack: Studio

Habt ihr den Film über die Zeit der Beatles-Konzerte 'eight days a week' gesehen? Dort beschreibt Ringo Star, daß er nur am im Takt wackelnden Hintern von George Harrison gesehen hat, wo sie sich im Stück befanden.

Häufig kommt dann der Vorschlag: dann stellt Euch doch vor die Boxen! 'Nur auf diesen scheiß Tinitus würde ich gerne verzichten' heißt es in meinem Baujahr-Text. Direkt vor den Lautsprechern ist ein dermaßen hoher Lautstärkepegel, daß ich mir dann um mein Gehör wirklich keine Gedanken mehr machen muß. Und, ein differenziertes aufeinander Hören ist so auch nicht möglich, die verschiedenen Instrumente und Stimmen verschwimmen zu einem undifferenzierbaren Brei.

Die häufig auf den Bühnen stehenden Monitorboxen, die auf die Musiker gerichtet sind, produzieren eben auch Lautstärke, die ja höher sein muß als die, die aus den Lautsprechern kommt, die auf das Publikum gerichtet sind. Also noch mehr – und jetzt sage ich tatsächlich 'Krach' zu unserer Musik.

Es hat lange und viele Irrwege gebraucht, bis ich ein System gefunden habe, das alle diese Probleme löst und die moderne Technik macht es möglich: personalisiertes in ear monitoring.

Das heißt, jeder von uns hat Ohrhörer im Ohr, aber nicht irgendwelche, sondern welche, die die von außen kommenden Geräusche sehr stark dämpfen. Jeder von uns hat die unabhängige Möglichkeit im Ohrhörer, jedes Instrument und jede Stimme in der Lautstärke so zu regeln, wie er es haben möchte.

Das Ergebnis ist ein perfekter Sound auch für uns selber.

Allerdings ist das für Nick auch mit einem Problem behaftet: Wenn auf der Bühne rechts und links keine Mikrofone stehen, die auf das Publikum gerichtet sind, hört er Euch nicht. Aber selbst wenn, über die Ohrhörer geliefert kommt der Klang von Euch (Beifall, Kommentare … ) immer von vorne, egal wie er sich dreht. Nick verliert also die akustisch-räumliche Orientierung. Das ist ein Problem, das wir noch nicht so ganz gelöst haben.

Euer horst

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